Art Basel startet dieses Jahr mit einer markanten Verwandlung ihres öffentlichsten Orts. Am Eingang des Messeplatz-Pavillons in Basel (Schweiz) hat die deutsche Künstlerin Katharina Grosse CHOIR, eine monumentale Intervention, die den Platz in leuchtendes Magenta taucht und die Grenzen zwischen Architektur und Kunstwerk verwischt.
Bevor die Besucherinnen und Besucher die kuratierten Stände betreten, durchqueren sie diesen farbgesättigten Raum, in dem Farbe zur Atmosphäre und Anwesenheit zur Teilhabe wird. Grosse verwandelt das Messegelände in eine lebendige Leinwand.
Eine lebendige Leinwand, die Rhythmus spricht
Mit einer industriellen Spritzpistole überzog Grosse den Pavillon mit schwungvollen Bahnen aus magenta- und weißem Acryl. Sie vergleicht CHOIR mit einem „polyphonen Chor“, in dem Architektur, Pigment und Publikum zu einer Farbsinfonie verschmelzen. Der Raum wirkt wie in Echtzeit komponiert – kein statisches Gemälde, sondern eine lebendige Partitur, in der jede Magentaspur eine Note bildet.
Grosses Technik wurzelt in ihrer Auseinandersetzung mit Musik und Theater; bei ihrem Prozess verweist sie gleichermaßen auf symphonische Aufführungen wie auf Renaissancefresken. Das Ergebnis ist eine dramatische Geste, in der jede vorbeigehende Person zu einem bewegten Instrument eines visuellen Konzerts wird und reagiert, wenn das Pigment mit Licht, Wetter und Bewegung changiert.
Kuratorin Natalia Grabowska versteht das Werk als kollektives Storytelling – wie Figuren in einer Erzählung oder Stimmen in einem Chor. Es verwebt verschiedene Kunstformen und lädt das Publikum ein, in das sich entfaltende Drama einzutreten.
Farbe als disruptive und poetische Kraft
Im Kern stellt CHOIR die gewohnte Ordnung des öffentlichen Raums infrage. Die Arbeit ist ein kühnes Statement, das architektonische Strenge auflöst. Heraus kommt eine visuelle Irritation, die die urbane Landschaft als etwas Flüssiges, Poetisches und Überraschendes neu denkt.
Grosse selbst nennt das Werk „vergänglich und unwiederholbar“ und vergleicht es mit „einem riesigen Gemälde, das hindurchgeflogen, kurz gelandet und dann nur seine Spur hinterlassen hat“. Diese Vergänglichkeit ist nicht nur metaphorisch: Die Farbschicht liegt auf einer dünnen Asphaltschicht, die nach Ende der Messe gezielt abgezogen und recycelt wird.
Wenn ihr das nicht verpassen wollt, besucht den Messeplatz-Pavillon in Basel, bevor CHOIR verschwindet und nur Erinnerung zurücklässt. Stellt euch hinein, geht hindurch, lasst euch bewegen und werdet Teil der Kunst. Denn ist es erst vorbei, kann kein Foto oder Bericht das Gefühl einfangen, Teil von etwas so Flüchtigem gewesen zu sein.
Weitere Informationen zu CHOIR und zur Ausgabe 2025 der Art Basel findet ihr auf der offiziellen Website der Messe.