Die Schweizer Autorin Dorothee Elmiger ist mit dem Deutschen Buchpreis 2025 für ihren Roman Die Holländerinnen ausgezeichnet worden. Die Preisverleihung fand am 13. Oktober im Kaisersaal des historischen Frankfurter Römers statt, unmittelbar vor der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse. Der mit 25.000 € dotierte Preis würdigt den besten deutschsprachigen Roman des Jahres und gilt als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Die Ehrung fiel zudem auf Elmigers 40. Geburtstag – ein persönlicher Meilenstein.
Eine Reise ins Herz des Dschungels
Die Holländerinnen begleitet eine Schriftstellerin, die sich einem Theaterkollektiv anschließt, um im südamerikanischen Regenwald dem Schicksal zweier niederländischer Rucksacktouristinnen nachzugehen, die Jahre zuvor verschwunden sind.
Je weiter sie in den dichten Urwald vordringen, desto stärker greifen Verwirrung, Angst und Desorientierung um sich; die Grenze zwischen Wirklichkeit und Vorstellung verschwimmt. Elmiger nutzt diese Expedition als Metapher für die menschliche Erfahrung von Ungewissheit und Verletzlichkeit und zieht die Lesenden in eine spannungsgeladene, immersive Erzählung.
Packend und vielschichtig
Die Jury würdigte Elmigers Werk als „eine faszinierende Reise ins Herz der Finsternis“ und hob ihre Fähigkeit hervor, poetische Sprache mit einer verstörenden Untersuchung von Angst, Macht und Hybris zu verbinden.
Kritiker:innen vergleichen die Spannung des Romans mit ehrgeizigen Dschungelprojekten von Filmemachern wie Werner Herzog oder Francis Ford Coppola, in denen kreative Vorhaben im Chaos gipfeln. Elmigers Stil ist zugleich distanziert und packend; er lädt euch dazu ein, den dunkleren Seiten der menschlichen Natur zu begegnen und über aktuelle gesellschaftliche und politische Fragen nachzudenken.
Aus 229 Romanen, die zwischen Oktober 2024 und September 2025 erschienen sind, setzte sich Die Holländerinnen gegen Finalist:innen wie Kaleb Erdmann, Jehona Kicaj, Thomas Melle, Fiona Sironic und Christine Wunnicke durch.
Ein aufsteigender Stern der Schweizer Literatur
Elmiger, 1985 nahe Zürich geboren und derzeit in New York lebend, ist für sozial reflektierende, poetische Texte bekannt, die Geschichte, Identität und Kapitalismus ausloten. Ihre früheren Romane – Einladung an die Waghalsigen, Schlafgänger und Aus der Zuckerfabrik – wurden mehrfach ausgezeichnet, in mehrere Sprachen übersetzt und für die Bühne adaptiert.
Mit dem Deutschen Buchpreis festigt Elmiger ihre Position als eine der einflussreichsten Gegenwartsstimmen der deutschsprachigen Literatur und reiht sich damit in die Reihe früherer Preisträger:innen wie Kim de l’Horizon und Saša Stanišić ein.